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ALLGEMEIN       Mittwoch 09.03.2011
Unisex-Versicherung ist beschlossene Sache

 

Von vielen in der Vergangenheit immer wieder gefürchtet, ist es nun per Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) festgelegt: Künftig gelten europaweit Einheitstarife für Lebens-, Renten-, Kranken- und Kfz-Versicherungen. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass die aktuelle Handhabung, nachdem das Geschlecht des Versicherten als „Risikofaktor“ bewertet wird, gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und die so genannte Gender-Richtlinie verstößt.
Aus diesem Grund müssen alle Versicherer nun ab Ende 2012 einheitliche Policen für bei Geschlechter anbieten. Ein Berufungsverfahren gegen das Urteil ist nicht möglich.

In der Praxis bedeutet das Urteil, dass viele Versicherungen teurer werden. Galt bisher, dass Männer beispielsweise niedrigere Prämien für ihre private Krankenversicherung zahlen mussten als Frauen (da diese durchschnittlich eine längere Lebenserwartung haben und öfter zum Arzt gehen), wird der Männer-Beitrag zukünftig angehoben werden.
Umgekehrt werden Frauen wahrscheinlich bei der Autoversicherung mehr zahlen müssen: Bis jetzt legten die Versicherer bei Ihren Prämienkalkulationen zugrunde, dass weibliche Autofahrerinnen weniger Unfälle bzw. weniger teure Schäden verursachten. Für die neuen Tarife lässt sich diese Statistik nicht mehr berücksichtigen, Frauen müssen mit gestiegenen Beiträgen rechnen.

Auch in den Bereichen Lebens- und Rentenversicherungen müssen sich Versicherte auf Preissteigerungen einstellen. Zur erwarten Höhe der Teuerungen hat die Versicherungsbranche derzeit zwar noch keine eindeutige Meinung, da auch sie vom Urteil arg überrumpelt wurde. Man ging vielmehr davon aus, dass der Gerichtshof die bestehende Ausnahmeregelung, die in der Vergangenheit vom Europäischen Parlament speziell für die Versicherungswirtschaft entwickelt wurde, bestätigt.
 
Einige Branchenkenner denken an einen Tarif, der sich zwischen dem derzeitigen Männer- und Frauen-Tarif einpendelt, andere gehen davon aus, dass es insgesamt höhere Beiträge geben wird, die sich an den höheren Risikogruppen orientieren.

Eine gute Nachricht gibt es für alle, die bereits eine der oben genannten Versicherungen aber dennoch: Nach Ansicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gilt das Urteil nur für Verträge, die neu abgeschlossen werden. Unter Umständen lohnt es sich also, vor Ende 2012 eine neue Police abzuschließen. Für die Entwicklung der neuen Angebote und Tarife haben die Versicherer Zeit bis zum 21.12.2012.


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